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Freitag, 28. Oktober 2016

zieh dir beim nächsten mal n fucking clownskostüm an

"da war nur n pullover drin, das kann gar nicht wehgetan haben", sagt sie. mit tränen in den augen fasse ich ihren rucksack an, den sie mir kurz zuvor ausversehen ins gesicht geschleudert hat. "alter du hast da unten n buch drin oder sowas", sag ich. "das ist mein handy und das ist ja wohl ganz klein", sagt sie. ich will nachhause und weinen. ich bin auf soner hiphopsache im jaz. "die nächte lang die röcke kurz wir zeigen euch wie man sich beim schiefsingen grade macht", so oder so ähnlich singt der pöbelmctyp und die masse ruft kä-se maik kä-se maik. ist ganz lustig weder ahnung noch leidenschaft zu haben und sich einfach von der stimmung der menschen mittragen zu lassen. so als wär ich im urlaub, zumindest in einer anderen stadt, denn die leute, die hier stehen, hab ich größtenteils noch nie gesehen. von der indieinsel zur hiphopküste, geflogen mit hundert promille die stunde.
auf dem heimweg merke ich, dass ich doch betrunkener bin als ich dachte. verzweifelt suche ich am steintor bahnsteig h und laufe immer im kreis. ah da kommt ein bus, dann mal im dauerlauf hin da. "fahren sie zum dobi?", frag ich außer atem. "jap zwei euro bitte", sagt der busfahrer. fuck ich bin ja gar kein student mehr. ich krame in meiner tasche. "hmm, ich hab 1,90?" "kost aber 2 euro." kleinkarriert. ich verlasse den bus wieder und laufe. am rosengarten lang. ich fühl mich so langsam unzurechnungsfähig voll und muss pinkeln. man, da ist es zu dunkel, und da zu hell. verzwickte sache. jetzt fange ich wirklich an zu heulen. das ist ein guter betrunkenheitsindikator. das nachhauseweg heulen. intensität und dauer korrelieren signifikant mit anzahl und umgekehrter aufnahmezeitspanne der drinks. konfundierende variable ist positive aufmerksamkeit von heißen menschen.   
kater atet in migräne aus. ich kann nicht pennen. und das drei tage lang. ich sitze auf arbeit, brauche ungefähr 8 stunden für einen einzigen bericht und merke da stimmt irgendwas nicht. vll hab ich jetzt nen chronischen kater, der nie wieder weg geht. ich bekomme angst und geh zum arzt. cervicobrachialgie nach schleudertrauma, steht auf meinem krankenschein. diese. bitch.
falls du das durch nen rostock-zufall lesen solltest: beim nächsten mal wenn man jemandem ausversehen weh tut sagt man "es tut mir leid, soll ich dir einen pfeffi ausgeben?"!!! und sowieso darf sich niemand anmaßen die leiden anderer menschen einzuschätzen und runterzuspielen. wenn dir jemand erzählen sollte sein fingernagel ist eingerissen und es ist das schlimmste was ihm je passiert ist, dann ist das so, dann ist das nicht weniger schlimm als der tod eines nahestehenden menschen, eine trennung oder ein schleudertrauma,
dann ist das einfach so und verdient mitleid und fürsorge. habe meinen kollegen zum beispiel erzählt, wie schwer es für mich war, von einer meiner lieblingspartys abschied zu nehmen. fanden die ziemlich albern. war für mich aber sehr real. besonders in den ersten jahren, ihr erinnert euch vll an die lobgesänge, hat die gold lions mir so viel gegeben. rostock so aufgewertet. die gold lions war ein großes stück lebensqualität. die momente, die menschen, die musik, die deko - das war anders und das war interessant. carsten hat den machern am letzten abend geschenke gemacht und in einem brief die bedeutung für ihn ausgedrückt. und genau die tatsache das es drei vier händen voll menschen genauso geht, hat diesen großen wert der party erst entstehen lassen. also vielen dank nochmal an die ganze berlin-gang für so viele jahre mühe, herz und leidenschaft für musik. nehmt rostock das "das kennt doch kein schwein, kannst du mal quiet little voices spielen" nicht krum. diese charmante verbindung aus euch und denen hat den reiz irgendwie ausgemacht. 
man, zum ersten mal krankgeschrieben. am ersten tag denke ich pausenlos an die arbeit und die fristen die ich nicht einhalten kann, weil eigentlich alle oktoberabrechnung bis ende der woche stehen muss. am zweiten tag räume ich meine wohnung auf, das fühlt sich mal abgesehen von meinem kopf so gut an mal zeit dazu zu haben. am dritten tag, höre ich hörbücher, trinke heiße schokolade, die malle mir aus london mitgebracht hat und male in so einem verrückten erwachsenenmalbuch, das meine mutter mir mal geschenkt hat. ich kündige meine wohnung, mache einen reifenwechseltermin, gucke absolut banale youtubevideos und bestelle pizza. ich lade katharina und thilo in die wieder vorzeigbare bude ein. ich weiß plötzlich ganz genau, wie es beruflich für mich weitergehen soll. vielleicht liegt es auch an 3x1 ibuprofen und der ersten tasse glühwein des jahres, aber es ist der schönste tag seit sehr langem. danke. bitch. 


Sonntag, 25. September 2016

küstennebelroadmovie

wumm wumm wumm. hammer von innen gegen die schädeldecke. übelkeitswellen. das muster auf meiner bettdecke bewegt sich. hab ich schon gekotzt oder muss ich noch. wer hat gestern nochmal beschlossen, dass küstennebel jetzt cooler ist als pfeffi. ich hasse ihn. war ich das? vll sollte ich zum ausnüchtern einen blogeintrag schreiben. aber besser nicht über gestern:


es ist 12:58. (diesen satz habe ich vorm schlafengehen geschrieben, damit ich nicht vergesse wie spät es ist.)

hab einen nächtlichen roadmovie erlebt. da hätte ich nur verwackelt ne kamera raufhalten müssen und es hätte ohne schnitt und nachbereitung im liwu laufen können.

ich kam ausm urlaub (war mit malle in prag. schön bier, schön burg, schön knödel) und musste erstmal pennen. gegen 23 uhr wurde mir bewusst, dass ich aufstehen und duschen gehen muss, damit ich die indienight nicht verpasse. oh gott, da nüchtern und alleine hin. das bring ich nicht. vll bin ich mal richtig anti und lass die indienight ausfallen. nee, das wär dumm."wir holen dich ab", schreibt thilo. immernoch unmotiviert aber partypflichtbewusst, zieh ich mir irgendwas an. kacke die bier und knödeldiät kam irgendwie nicht so gut. egal es klingelt und gibt jetzt kein zurück mehr. nur noch 850 meter gehen bis zum ersten pfeffi. und als sie da vor meinem haus steht, die gang, schießt meine laune von 5 auf 90. was für geile menschen. als erstes versuchen wir mein fahrrad zu klauen, weil der schlüssel weg ist. klappt nicht. "ich muss pinkeln" sagt thilo. "geh da hinten in dem tunnel, da hab ich mal hingekackt und eine massage mit happy end bekommen", sagt johannes. "gleichzeitig?", frage ich ungläubig. obwohl nicht gleichzeitig, waren beide geschichten sehr beeindruckend, fragt ihn mal danach. 
wir tanzen zu allen klassikern, ich bin viel nüchterner als sonst, da kommt einem der abend immer so hart viel länger vor, ich freue mich auf 5 stunden bewusst laut musik die ich mag. dann ist nach 2einhalb stunden mangelns zahlender gäste einfach schluss. ok wir waren auch sehr spät da, aber halb 5? ehrlich jetzt? "wie viele minuten noch bis der bäcker aufmacht?", fragt thilo. normalerweise bin ich ein zuverlässiger countdown aber das sind diesmal zu viele minuten - die würden nüchtern und müde machen. "wir gehen ins pwh", verkünde ich. dieser satz trennt die spreu vom weizen. innerhalb weniger sekunden versammeln sich die coolsten menschen im laden zur weiterreise und der rest geht schlafen. die gang besteht aus jule, christian, thilo, mir und jemanden namens max. max raucht gras aus einer pfeife und trägt einen david-bowie-turnbeutel. cool oder hipster, cool oder hipster, ich kann mich nicht entscheiden, bis wir wenige schritte später zusammen die internationale schmettern. cool. "pwh hat zu, wir gehen zum bunker"verkünde ich. der enthusiasmus lässt ein bisschen nach, vereinzelt werden gegenstimmen laut, aber irgendwie wissen wir alle, dass wir keine andere wahl haben. wenn wir jetzt nachhause gehen ist das wochenende vorbei - verdrängung und schmerzaufschiebung sind die einzige option. "schonwieder n penisbild bekommen soll ich mal zeigen?", sagt jule. christian ist geschockt. "sie ist echt aus ner anderen generation, sowas wie penisbilder gabs bei uns nicht oder?", fragt er gutgläubig. penisbilder gibt es seit man mit dem handy fotos machen kann. ich erinnere mal hieran. 
"ich glaub hier ist noch was los, ich geh mal kurz gucken ja?", sag ich obwohl ich innerlich schon weiß, dass auch im bunker keine party mehr zu holen sein wird. ich stolziere durch die tür, brülle "ist noch offen los gehts" und werde von jemandem der grade putzt wieder rausgeschoben. "äh los wir gehen zur tanke, yay!" ich kauf ne flasche wein und ne packung kippen, mitlerweile singen wir bowie-songs. jule verabschiedet sich nachhause. thilo klaut tankstellenzubehör. ein fuchs läuft über die straße. wir sitzen am hafen trinken und erzählen - blöderweise hören wir vier uns alle selbst gern reden, der schnaps verstärkt das noch, sodass wir immer lauter und witziger werden. christian muss zum bus. langsam geht die sonne auf, ich pinkel im hellen auf eine wiese vor einem wohnhaus und hoffe dort schlafen alle noch. seit ewigkeiten zünd ich mir mal wieder ne kippe an. auf dem feuerzeug prangt der schriftzug meines arbeitgebers. schnell wieder einstecken. wir reden offen über unsere alkoholprobleme und schieben das auf unsere doofe arbeit. "entschuldigung ich hab euch ein bisschen zugehört soll ich euch was sagen?", ein fahrradfahrer in lederjacke, er sagt er ist 72, fängt an, lauter weise sachen von sich zu geben. plötzlich sind wir ehrfürchtig still, stellen ihm höchstens ein paar wichtige fragen. "glauben sie denn, dass die zeiten jetzt schlimmer sind als früher?", frag ich. "ach quatsch ist genauso wie immer", sagt er. er erzählt uns, dass die friedliche revolution von der ddr inszeniert war, weil die planwirtschaft am ende war. "in den 50ern haben die auch einfach die panzer rausgeholt, das hätten die wieder machen können. eine revolution kann nicht friedlich sein", sagt er, während ihm schweiß von der nase tropft. irgendwann verabschiedet er sich und ich denke, dass ich nun auch nachhause muss, weil die sonne schon sonnenbrandverdächtig hoch steht. ich hasse sonne. plötzlich klingelt mein handy. es ist die arbeit. am sonntag. oh gott. "äh. hallo?", frag ich ängstlich. es ist c. sie hat sich ausversehen im büro eingeschlossen und nun ziemliche platzangst. "ich bin sofort da! aber betrunken, ich hoffe das stört dich nicht", sage ich. ich frage mein handy wie lange wir nach marienehe brauchen. 40 minuten sagt es. "gepäckträger!", sagt thilo. wir sagen max, er solle kurz das geklaute zeug halten und einfach immer gradeausgehen bis zum lidl und sich dann nochmal melden. (wir haben ihn nie wieder gesehen (bis zu dem abend an dem ich dreimal vor suff hingefallen bin aber das ist eine andere geschichte)).
ich bin nach der flasche wein irgendwie zu betrunken um auf einem gepäckträger zu sitzen. ich wanke und schwanke. wunderlich, dass ich nicht runtergefallen bin aber wir kommen bald bei mir auf arbeit an. ich schließe die tür auf, rieche den alltagsmuff den der teppich im büro verströmt und fühle mich ziemlich unwohl. besoffen im büro. als hätte ich was falsch gemacht. ich rette c., die sehr froh ist, dann geh ich in die küche und nehm mir ein ben and jerrys eis aus dem kühlschrank, dass dort seit meinem geburtstag liegt. thilo, c. und ich machen genau da weiter wo max, thilo und ich aufgehört hatten. weltverbesserergespräche hart links. c. erzählt thilo stolz, wie wir in der arbeitszeit heimlich npd-plakate mit eiern beworfen haben bis ein nazi angerannt kam und uns "verklagen" wollte. mittlerweile ist es schon nach 10 und wir stellen fest, dass der stadtbäcker nun wohl endlich aufhat. c. fährt mich hin. thilo kommt mit dem fahrrad nur ne minute später. wir blicken auf die vielen kinder und rentner "wir kommen zu spät", stellen wir fest, kaufen bier beim dobidöner und gehen wieder an den hafen. angler, jogger, die sonne brennt. in 24 stunden bin ich schon seit 5 einhalb stunden arbeiten.
 

Sonntag, 24. Juli 2016


hab mir meine haare irgendwie zu lange nicht gewaschen und mit dem kämmen halte ich es wie carola huflattich (meine haare kämmt der wind). ich muss einkaufen gehen und schultere den alten armeerucksack meines vaters. ich verlasse das haus und merke wie traurig mein körper schonwieder über die temperaturen ist und frage mich erneut, was eigentlich dagegen spricht, einfach nach nord-schweden zu ziehen. die meisten meiner freunde sind eh in aufbruchstimmung und ob ich nun hier arbeite und schlafe oder dort, bei mehr schnee und für mich angenehmeren temperaturen ist doch auch egal. eigentlich. mein handy vibriert. hab malle ihr altes abgekauft, weil meins nach 6 jahren und zersprungener vor- und rückseite endlich in den ruhestand wollte. an das knallige orange-pink muss ich mich noch gewöhnen, ansonsten bin ich vollkommen begeistert von der schnelligkeit dieses teils. ich passiere unsere mit baustellen gesäumte straße, als auch ein bauarbeiter von der auffälligen farbe meines neuen telefons gefesselt wird. mit dem einen arm stützt er sich auf ein baugerät, mit dem anderen stupst er seinen kollegen an. "guck ma, da weiß man jetzt auch nich - geht die nun pokemon oder pfandflaschen sammeln", sagt er. "hm", antwortet sein kollege nachdenklich. ich will irgendwas witziges, schlagfertiges zurückgeben. und gehe einfach freundlich lächelnd weiter. ich kaufe pfeffi, eine tiefkühlpizza spinat und rohrreiniger. ich wünschte so sehr, ich würde über die kompetenz verfügen, für mehrere tage sinnvoll einkaufen zu können.
endlich wochenende und ich habe mehr zeit als sonst. ganz verrückte sache. meine ständige lust serien und filme zu gucken, hat vor ner woche oder so einfach aufgehört. so wie andere menschen von einen auf den anderen tag keinen spinat mehr mögen, oder aufhören zu rauchen. mega komisch und mir zum bisherigen zeitpunkt auch unerklärlich. vielleicht habe ich keine lust mir fremde geschichten anzugucken und will selber welche erleben, denk ich und dann nee, das eine hat das andere doch bisher nie ausgeschlossen. dann kommt mir wieder mein arbeitsbedingter zeitmangel in den sinn und wie schlecht es mir damit in letzter zeit ging. wie eklig mein zimmer aussieht und wie eklig ich selbst grade aussehe. dann denke ich an prioritäten. die reduzierte anzahl an menschen die ich regelmäßig sehe. das ich nicht mehr auf jede party gehen kann, sondern ohne rücksicht auf die bedürfnisse meiner freunde immer die option wählen muss, von der ich mir selbst am meisten stressabbau verspreche. also hat mein unterbewusstsein vll meine vorliebe ausgelöscht, um mir mehr zeit zu geben, mich um meinen körper, meine wohnung und mein wohlbefinden zu kümmern? wäre mal wieder ein abgefahrener beweis dafür, wie gut sich der menschliche körper zur überlebenssicherung anpasst. ich habe plötzlich ein richtig hartes bedürfnis danach, süßkartoffeln zu pflanzen. was ist das denn fürn scheiß. das verdräng ich erstmal. was will ich noch? ben and jerrys eis. und saufen. ja, der pfeffidurst wurde von meinem unterbewusstsein noch nicht zu gunsten des erwachsenwerdens reduziert. gott sei dank.
martin feiert geburtstag. es gibt wie in jedem jahr ein umwerfendes bufett, schokolikör und ein gruppenfoto. wir ziehen irgendwann weiter ins pwh zur love will tear us apart. wie mein alter laptop beginne ich schon nach 5 minuten vollkommen zu überhitzen und glühe den ganzen abend knallrot vor mich hin. es sind so unfassbar viele nette menschen da. fast alle leute auf der tanzfläche kennen sich. die leute die wir nicht kennen, kommen uns dadurch fast komisch vor. "das ist inklusion", sagt miri. scheiße auf sowas kann ich zugunsten eines angenehmeren klimas nicht verzichten. auch wenn ich dabei irgendwann dem kreislaufkollaps erliegen sollte: tut mir leid nord-schweden, som kunde ha varit bra. 


Freitag, 15. Juli 2016

"dann unterschreiben sie hier, und dann da, dafür dass sie auf facebook, twitter, instagram und anderen sozialen netzwerken nicht schlecht über uns reden." ich sitze in einem noblen hotel und bekomme keine luft. muss wohl gegen die pflanze hier drin allergisch sein, hoffe wir verlassen den raum bald. "die unterkünfte für bedienstete befinden sich im keller, ich zeige ihnen noch die küche und unser restaurante", sagt der wirklich gut frisierte und umwerfend gekleidete hoteldirektor. wir dürfen endlich aufstehen, meine leggings rutscht und der schritt hängt irgendwo in den kniekehlen. ich versuche so unauffällig wie möglich an mir herumzuziehen, schniefe und huste dabei aber leider dramatisch. irgendwie ist mir diese größe zu groß, die nächstkleinere aber zu klein, doof. meine nase und meine kehle sind auch beim verlassen des büros wie zugeschnürt, ich bemerke rote punkte an meinen armen und erahne so langsam den auslöser dieser unangenehmen körperreaktion. wir durchwandern das restaurant mit komplett verglaster front und blick aufs meer. nobel nobel. ich kann kurz durchatmen. im dienstfahrstuhl huste und pruste ich dann wieder mit hochrotem kopf und tränenden augen vor mich hin, um einem erstickungstod zu entgehen. "darf ich ihnen vll ein glas wasser holen?", fragt der smarte hoteldirektor. "nein!!!", panisch wehre ich seine näherkommende hand ab. ich bin gegen ihn allergisch. die reiche-menschen-allergie. als er meinen spanischen schützlingen ihr neues zuhause für die nächsten jahre zeigt, halte ich größtmöglichen abstand zu ihm, und fühle fast so etwas wie sentimentalen neid. das hat voll was von dirty dancing hier. die mädchen wohnen alle auf einem flur im keller des hotels. die jungs etwas außerhalb, dort soll ich in den nächsten wochen auch meinen deutschkurs geben. "ähm wir werden jetzt zur unterkunft der jungs fahren. dort wird auch der unterrichtsraum sein ähm", erstmals fällt etwas von seiner glatten souveränität ab, "der ist leider nicht schön", sagt der direktor verhalten. "das macht mir wirklich gar nichts, kein problem, sind da denn tische und stühle drin?", frag ich mit bodenständig-praktischer veranlagung. "ja es ist ein altes restaurant. hier im ort mangelt es sehr an wohnraum, es ist wirklich schwer passende und bezahlbare immobilien für die unterbringung unserer angestellten zu finden", rechtfertigt er sich schon im vorraus. wir fahren zu einem alten haus mit bunten bleiglasfenstern direkt an einem wald. die bäume sind windflüchter, vermutlich ist direkt hinter dem wald der strand. viel schöner als im nobelhotel hier. wir verabschieden die jungs in ihren ersten abend von vielen in rentnercity "una cerveza - dolor de cabeza" geb ich noch meine alkoholbezogenen sprachkenntnisse zum besten, und betreten das alte "restaurant". mein geschultes auge sieht gleich: das war kein restaurant. das war ne kneipe. und laut den abnutzungspuren am boden, wurde hier früher auch ordentlich getanzt. "äh ja, eigentlich habe ich auch angewiesen dass hier geputzt wird", sagt der hoteldirektor. "ich hab mir schon immer eine bar an meinem arbeitsplatz gewünscht", sage ich ganz verzückt. der direktor hält das für einen scherz und lacht.
das ist das beste von den vier projekten in denen ich grade drin häng. ich schaff es nicht alles gut zu machen. deshalb mach ich alles halb gut, oder halb schlecht. bekomme kritik mit der ich nicht umgehen kann. arbeite mehrere tage von 7-19 uhr, bis mein körper plötzlich anfängt zu streiken. ganz ohne alkohol muss ich mich übergeben, mein kreislauf bittet mich jeden morgen aufs neue zuhause bleiben zu dürfen. kurze hoffnung schwanger zu sein, dann nachrechnen wie ewig her der letzte körperkontakt zum anderen geschlecht schon ist. mir wird langsam klar, dass mein leben mir ziemlich entglitten ist. ich definier mich nur noch über diese doofe arbeit, um davon abzulenken, dass ich darüber hinaus nichts hinkriege. früher war alles so viel einfacher. in bützow. da hab ich einfach überall mitgemacht, um nicht an langeweile zu sterben und war damit ziemlich ausgefüllt. diese mischung aus zeitung, proberaum, turnhalle, theater und maisfeld war stinkend langweilig aber echt erfüllend. seit 7 jahren versuche ich mir eben so etwas in rostock aufzubauen, klappt aber nicht. ich nehm mir erstmal drei tage frei um nichts zu tun. "weißt du, ich frage mich immer ob die evolution das ziel, oder das ergebnis ist", sag ich zu lukas. ich finde den eigentlich immer doof*, weil der nie was trinkt und dadurch immer so stockig ist. aber zwei drei mal, wenn ich selbst ausnahmsweise nicht knackenhart war, konnte ich dem echt sachen erzählen, die ich mich sonst nicht traue zu erzählen. und der verspottet mich nicht, versteht sogar was ich sage und zitiert dann bukowski. danke mann! das war urlaubsabend nummer 1. an nummer zwei gehe ich mit katharina und ihrem handy bei bestem wetter pokemons fangen, spazieren gehen hat endlich einen erfundenen sinn! dann kommt malle wieder nachhause. sie war mit jens in nordamerika unterwegs und erzählt von penissen und behaarten schwulen strippern, die sich im club angepinkelt haben. sie bringt mir n mac-lippenstift und eine penisförmige trinkflasche mit, meine genesung schreitet voran. an urlaubstag nummer drei geh ich mit jule ins solarium, was sowohl wegen der künstlichen sonne als auch jule ziemlich stimmungsaufhellend ist. danach gehen wir knallrot gebrannt in rewe und kaufen uns bumbumeis. und schnaps. mehr urlaubsstimmung geht nicht. ich mach eierpfannkuchen und lisa und katharina kommen vorbei. ich bin betrunken und so gut gelaunt wie seit monaten nicht mehr. ich geh in die planbar die andern abholen und dann tanzen im salon majakowski. sind immernoch die selben leute auf nen donnerstag da wie vor drei jahren. die habens gut. ich mache sowas von was falsch. bin aber voll erstaunt, wie gut ich in meinem suff die tasten noch getroffen habe. jetzt ben and jerrys und die whiskeyreste. ich liebe urlaub. und euch. 



* habe grade die kritik bekommen dass das verletzend rüberkommt. ist so aber doch gar nicht gemeint. ich find den cool, nicht doof, nur nüchterne menschen an sich, mit denen kann ich oft nichts anfangen weil ich selbst doch immer so betrunken bin und nüchtern gar nicht menschenkompatibel bin.

Mittwoch, 8. Juni 2016

habe grade einen massenmord an obstfliegen begangen und nun schuldgefühle. ich hab sie erstickt. einen zweiten müllsack über den ersten gezogen bis ich das panische knistern von innen hörte, das die fliegen verursachten, wenn sie an die oberseite des müllsacks stießen - verzweifelt nach einem fluchtweg suchend. ich kann nicht weggucken und bin fast davor, den müllsack wieder abzuziehen, machs dann aber doch nicht. spinnen dürfen leben, aber nicht in deinem zimmer, hat mein papa mir mal erklärt als ich kleiner war. ich kann ja auch nicht einfach so unter wasser oder im weltraum leben, versuche ich mir mein fliegenmassaker unplausibel schönzureden. ich war das erste mal seit...hm seit januar etwa, an einem samstag abend nicht weg und folglich an einem sonntag nüchtern. habe endlich angefangen den dreck zu beseitigen, da die lage in unserer wohnung dank hitze immer präkerer wurde. jetzt sitz ich auf 1 stuhl, der kurzzeitig wieder als stuhl und nicht nur als ablagefläche genutzt werden kann und fühle mich schrecklich erwachsen. hab sogar heute keine pizza bestellt sondern irgendwas indisches mit gemüse mit drinne. krass. "das ist eine schöne erwachsenenparty", sagt reneé. "ja und ganz ohne spießig dabei zu sein", pflichte ich ihr bei. tilmann hat zu seinem 30. das besitos gemietet um dort eine 20er jahre party für seine freunde und familie zu veranstalten. im vorfeld klang das in meinem kopf ziemlich scheiße. müssen ich und mein bierbauch sich wirklich in ein pailettenkleid zwängen, dachte ich, und das aufwendige partys ja meist irgendwie gezwungen und wenig stimmungsvoll sind. tja, ich habe den tina-faktor in der partyplanung nicht bedacht. tilmanns freundin tina hat also einen tag vorher auf facebook verkündet, dass jeder in den klamotten kommen darf, die er selbst als festlich empfindet, und tilmann davon überzeugt, dass nach big band und swing auch 90er und 2000er aufgelegt wurden. das in verbindung mit absinth war n richtiger kracher. "aber wen sollen wir denn nun strategisch klug wählen?" reneé und ich fangirlen tilmanns grünenpolitikermutter, doch ihr freund, ein spd-mensch, fällt ihr immer ins wort und redet weit ausgeholt drumherum, als bemühe er sich extra stereotypisch, ein doofer politiker zu sein. schwerer fall von mansplaining - und überhaupt der steckt doch mit dem offshorewind unter einer decke. immer mehr schnaps, ich ziehe auf unserer ersten erwachsenenparty viele schlüsse für mein erwachsenenleben. to do: bootcamp für weniger selbstmitleid. immernoch. alle andere scheinen es zu schaffen, nicht jeden abend ben and jerrys eis zu essen. und die jammern auch nich. katharina betrinkt sich zum beispiel grad, um ihre doofe arbeit zu vergessen. sie tut also aktiv was um ihr leben zu verbessern. na gut dann leg ich mal nach. "in katharinas schnapsglas ist nur wasser", flüstert lisa mir zu. ich gucke zu katharina rüber, die die 4 cl wasser in einem zug runterzieht und dabei das gesicht verzieht. ich liebe meine freunde. 
"politisiert euch. ihr müsst euch polisitieren.", lala ich. "hat christine gesagt. achnee die psychologin, ach egal.", füg ich leise hinzu und dann laut: "was kostn pfeffi?" "3,50", sagt der glatte bartyp. "WAS? das kost doch normal ne ganze flasche...ich nehm 4 stück! ... wille, thilo, könnt ihr mir n 10er leihen?" 
erwachsenbootcamp erst morgen wieder. denk ich und verschlafe den ganzen tag im katerrausch, unterbrochen von einem sparziergang ohne bh und mit ungeputzten zähnen zur tankstelle. 2 ben and jerrys half baked kaufen. morgen musst du was gegen die fliegen tun, die essen dir ja dein ganzes eis weg, denk ich. 

Samstag, 21. Mai 2016

da gabs blackmail noch und matthias schweighöfer war noch keine marke, die für hohlkitsch und haudraufhumor steht. eins meiner eventuellen kinder wird im zweitnamen nach der protagonistin benannt. kammerflimmern läuft im fernsehen. ich lieg im bett und fühle mich mehr zuhause als sonst, weil mir die figuren so vertraut vorkommen "es geht im leben nicht um liebe mein schatz [...] wenn dus nicht mehr aushältst gibts nur zwei dinge die du tun kannst: einatmen und ausatmen", stumm spreche ich mit. wie doll ich damals auf so pathetisches zeug abgefahren bin, denk ich und stelle fest, dass ich es immernoch wunderschön finde. der fänger im roggen, steppenwolf, die neuen leiden des jungen w., vll hatte das doch nichts mit jugend zu tun, sondern mit mir. sollte ich mal wieder lesen. würde ich mal zum lesen kommen. bin immernoch bei panikherz. schon so lange, dass einige seiten durch ständiges herumtragen des buches bis zur unkenntlichkeit mit schokolade, matschigen cranberrys und saucehollondaise beschmiert sind. habe grade so ein ordnungsproblem, zum ordnung halten komm ich halt grad auch nicht. obwohl das vieles einfacher machen würde. auch in meinem kopf. es sammeln sich angefangene aber nie zuendegeführte blogeinträge, einen über die systemkritischen ziegelsteine in thilos fahrradkorb, einen über meinen 7-stündigen filmriss und die krimihafte rekonstruktion des abends anhand von unleserlichen sms, fotos, aber nicht über die schlimme reue und den selbstekel der darauf folgte und den gelebten altruismus der diesen schließlich kurierte. ich muss das jetzt ordnen. und morgen räum ich mein zimmer auf. schmeiße die tasche in der seit märz ausgelaufener joghurt drin ist weg, kämpf mich durch den berg aus klamotten, taschentüchern, geschirr und pizzakartons und ergründe die herkunft der kleinen schwarzen käfer die in unregelmäßigen abständen über mein bett laufen. vielleicht auch übermorgen aber dann bestimmt und dann mach ich mal wieder sport und geh mal an die frische luft. ganz bestimmt.

" war das ein reudiger suff. ich wach gegen 16:30 vollkommen überrascht auf. wo bin ich, wer bin ich, wo gibts hier wasser. ich bin zuhause, habe kotzegeschmack im mund. ich guck auf mein handy. habe allen geschrieben die ich kenne. leider größtenteils dinge an die ich mich zu recht nicht erinnern wollte. ich bin scheinbar dreimal im treppenhaus hingefallen und habe nüchterne menschen beschimpft, ob sie sich für was besseres halten weil sie nüchtern sind. ja geil. als ich nachrechne wird mir klar, dass der umfang meines filmrisses ungefähr 7 stunden beträgt. ein unangenehmer rekord. meine knie sind aufgeschürft und mein hirn fühlt sich an, als wäre da nichts und nie was gewesen.
"hast du noch teile? kannst du mir welche verkaufen?" oh sie denken ich wäre einer von ihnen. das ist ja nett, dabei bin ich doch offensichtlich die einzig wirklich besoffene im raum und fühle mich wie ein elefant im zebragehäge. habe einen ausflug zur palette gemacht. da gabs feuer und irgendwie natur drumherum jedenfalls hab ich in absoluter idylle gekotz"


ich hab nicht mal das wort gekotzt ausgeschrieben, wahrscheinlich setzten da der selbstekel und die quälende frage, was ich getan hatte, ein. an dieser stelle danke an carmen und co. als ich ihr nachts um 5 geschrieben hab, dass ich einer sekte beigetreten bin und hilfe brauche, ist die gang hingereist und hat wie auch immer dafür gesorgt das ich dort wegkomme. mittlerweile frage ich mich, was für eine sekte ich mir im suff wohl gewählt habe und ob die meine adresse und kontodaten schon haben. malle meint das könnte ne metapher für drogen gewesen sein. ich vermute, dass ich die antifa, oder irgendwas umweltaktivistisches meinte. solche zugehörigkeiten sind mir in so großem maße suspekt, dass ich mir selbst doll im weg damit stehe. ich würd zum beispiel furchtbar gern im chor singen. aber ich will einfach nicht zu einem chor gehören und mit denen auf chorfahrten oder sowas fahren müssen. hab zum beispiel auch schon voll oft mit ernstem interesse irgendwelche reportagen über alternative wohnformen gesehen und dachte so oft, ja, aber wieso müssen alle im kreis stehen, sich an die hände nehmen und plumsklozwang leben? ich will mich auch nicht entsprechend politischer meinung kleiden und gemaßregelt werden wenn ich im suff nicht richtig gender und mein humor zu flach und unreflektiert ist. nee, großgruppen, vereine, parteien egal welcher art sind nicht meins

(mittlerweile läuft auf zdf aspekte und die haben gesagt, dass udo lindenberg, otto walkes und marius müller westernhagen zusammen in einer wg gewohnt haben. wieso hat mir das noch nie jemand erzählt. find ich unfassbar lustig. dieser kleingruppe wäre ich wohl tatsächlich gerne beigetreten und hätte notfalls auch n hut, sprachfehler oder andere zugehörigkeitsmerkmale in kauf genommen.)

"irgendwann, wenn du nicht mehr so viel trinkst, kannst du auch mal verreisen, das wird dir gefallen", sagt meine kollegin vollkommen ohne wertung. einfach als feststellung. ich beschließe mal drauf zu achten. pfingsten. obwohl meine reise nur ins pwh, ins st, den bunker und vorallem in die unendlichen leeren meines besoffenen geistes geht, kostet mich das tatsächlich fast 200 tacken. abgefahren. gott sei dank ist mir geld solange ich was zu essen habe und waschmaschine und laptop funktionieren immer sehr egal.
"ey, wie heißt du nochmal? irgendwas mit kartoffel...und stinkend....stinkende kartoffel?", frag ich morgens am stadtbäcker den punk, mit dem ich schonmal bei marianna in der blumenkneipe einen gesoffen habe. "fridolin frittenfett!", antwortet er. ah stimmt. "ich bin punk und ich bin frei, du bist bei der polizei, ich bin der untergang der zivilisation", singen wir gemeinsam die doberaner str. runterschwankend. manchmal glaub ich, dass ich der einzige echte punk der stadt bin. aber fridolin frittenfett, hat nicht nur den passenden namen, nietenhalsband und iro, er achtet auch penibel darauf, dass man immer seine kimme aus der hose rausgucken sieht. puh punk sein ist mit ziemlich vielen verpflichtungen verbunden. "also wenn ich mal nichts mehr habe, dann würd ich in dem container von call a pizza wohnen, da die kartons sehen so gemütlich aus und essen hat man da sicher auch immer genug", sag ich.

"hat da jemand seinen penis durchgesteckt? ja oder? stell ma vor", sagt der 8. F. den ich kennenlerne und tut so als würde er einen imaginären penis in einem popcorneimer lutschen. das ist seine erste assoziation mit dem popcorneimer der da steht. meine ist popcorn. er holt n ziemlich großen und matschig aussehenden beutel voller speed raus und zieht die lines direkt vom bierzelttisch. dreck und holzsplitter sind heut inklusive denk ich. "zieh doch von deinem handy", rät thilo ihm noch väterlich, dann fängt F. an ununterbrochen zu reden und wieder was zu ziehen und zu reden. hansa, polizeiliches führungszeugnis, arbeit im sozialen bereich. feiern. absturz.  das ist mein spiegelbild in noch döller, ich bin doch nicht der einzig wahre punk, wird mir erfreut klar. ich will irgendwann tanzen gehen und verabschiede mich, er gibt mir einen herzlichen klaps auf den po und sagt "du hast schöne haare". wasn authentischer typ. auf der tanzfläche kommt marco bode auf mich zu und entschuldigt sich für seinen kumpel F. er mache sich echt sorgen um ihn, der würde nie ins theater gehen oder mal n buch lesen. ich denke darüber nach ob und inwiefern das irgendwas ändern würde. der sollte mal kammerflimmern gucken und ihr auch mal wieder, finde ich.